Eine für die Branche denkwürdige Woche
Posted on 19. Jan, 2012 by Thomas Meurers in Allgemein, News
Wie von vielen erwartet, hat diese dritte Kalenderwoche im drupa-Jahr 2012 ihre Spuren in der Branche hinterlassen.
Am Mittwoch (18.) wurde bekannt gegeben, dass der im Insolvenzverfahren befindliche Traditionshersteller MANRoland zerschlagen wird und am heutigen Donnerstag hat Kodak in den USA das Insolvenzverfahren beantragt.
Auch wenn sich diese Entwicklungen bereits seit längerem abgezeichnet hatten, so ist es doch ein harter Schlag nicht nur für die direkt betroffenen Personen, sondern auch für die gesamte Branche.
Oder überwiegen vielleicht sogar die Chancen? Immerhin sind im Fall von Kodak die Tochterunternehmen offensichtlich nicht betroffen und die GM-Sanierung im Insolvenzverfahren 2009 gibt ein positives Beispiel.
Possehl-Gruppe erhält Zuschlag für Manroland
Possehl wird Teile des insolventen Druckmaschinenherstellers Manroland übernehmen. Wie Insolvenzverwalter Werner Schneider am Mittwochabend in einer Telefonkonferenz mitteilte, fiel die Entscheidung für die Lübecker Unternehmensgruppe in der Sitzung des Gläubigerausschusses einstimmig. Danach wird Manroland zunächst in drei einzelne Gesellschaften zerlegt – je eine für die Standorte Augsburg, Plauen und Offenbach. “Manroland ist inzwischen kein Großkonzern mehr, hat aber unglücklicherweise die Strukturen eines Großkonzerns beibehalten”, begründete Werner Schneider die beschlossene Zerschlagung. Das sei ein Teil des Problems der Branche. Er habe deshalb keinen Zweifel, das die eher mittelständische Possehl-Gruppe ausreichend Kapazitäten in Finanzierung und Management habe, um das Unternehmen weiterzuführen. (www.druckspiegel.de)
Kodak meldet Gläubigerschutz an
Ob die Story von Eastman Kodak weitergeht, ist unklar. Am Donnerstag hat das Unternehmen hat ein Verfahren nach Kapitel 11 des US-Insolvenzrechts eingeleitet und Gläubigerschutz angemeldet. Das berichtet “Spiegel online” heute unter Berufung auf verschiedene Nachrichtenagenturen. Damit geht eine 131-jährige Firmengeschichte zu Ende. Die Töchter außerhalb der USA seien nicht betroffen.
Kodak habe zu spät auf die digitale Revolution reagiert, heißt es weiter, und sei deswegen schon länger in Schwierigkeiten: Nach Gewinn- und Umsatzeinbrüchen schloss der Konzern seit 2003 insgesamt 13 Fabriken und 130 Labore, 47.000 Arbeitsplätze wurden gestrichen. Seit 2008 schreibt die Firma rote Zahlen. Auch der späte Einstieg in den Markt mit Tintenstrahldruckern war wenig erfolgreich. Über niedrige einstellige Marktanteile kam der Konzern hierzulande nie hinaus. Kodak teilte nun mit, die Citigroup habe der Firma eine Kreditlinie über 950 Millionen Dollar eingeräumt. Es sei genügend Liquidität vorhanden, um den Geschäftsbetrieb während des Gläubigerschutzes aufrechtzuhalten. Man rechne damit, das Verfahren 2013 zu beenden. In den USA ist es nicht ungewöhnlich, dass sich Konzerne mit Hilfe des Gläubigerschutzes sanieren. Dies war zuletzt auch General Motors gelungen.
Zuvor will man zentrale Firmenwerte versilbern. Seit Juli sucht der Konzern einen Käufer für seine rund 1100 Patente im Bereich der digitalen Bild-Erstellung. Diese könnten Experten zufolge zwei bis drei Milliarden Dollar einbringen. In seinem Überlebenskampf feuert Kodak eine Patentklage nach der anderen ab. Jetzt ist der südkoreanische Elektronik-Konzern Samsung an der Reihe – nach Apple, HTC und Fujifilm. In der am Mittwoch eingereichten Klage wird Samsung die Verletzung von fünf Patenten vorgeworfen. Dabei geht es um Digitalkamera-Technologie sowie Verfahren zur Übermittlung von Aufnahmen. Experten gehen davon aus, dass Kodak mit den Klagen potentiellen Kaufinteressenten die Schlagkraft seines Patent-Portfolios demonstrieren will. (www.druckspiegel.de / www.spiegel.de)
